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Immobilienzeitung / 14.08.2014

14.08.2014

Bauverein kauft Lincoln-Siedlung - Wohnraum für 3000 Menschen

Darmstadt. Auf einem ehemaligen Kasernengelände in Bessungen soll ein neuer Stadtteil entstehen, in dem künftig 3.000 Menschen leben. Die städtische Bauverein hat sich das Areal mittels Erstzugriffsrecht gesichert und will bis November schon die ersten Wohnungen fertigstellen. Daneben sollen aber auch private Investoren zum Zug kommen.

Der Darmstädter Bauverein kauft der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) für etwa 45 Mio. Euro die 24,4 Hektar große Lincoln-Siedlung im Stadtteil Bessungen ab. "Es geht hier nicht um ein Wohnquartier, sondern um die Entwicklung eines neuen Stadtteils", sagt Oberbürgermeister Jochen Partsch. Die Transaktion wäre nicht möglich gewesen, wenn es sich bei der Bauverein nicht um ein kommunales Unternehmen gehandelt hätte. Dies ermöglichte der Stadt, ihr Erstzugriffsrecht wahrzunehmen. "Sonst hätten wir das Gelände ausschreiben müssen", bestätigt Bima-Vorstandsmitglied Axel Kunze. Es sei angedacht, das Erstzugriffsrecht künftig auch für nicht militärische Grundstücke des Bundes zuzulassen, um den Städten noch mehr zu helfen. Dennoch ist die Bima auch weiterhin in der Pflicht, wirtschaftliche Geschäfte zu tätigen. "Wir müssen nachweisen, dass der volle Wert des Grundstücks erreicht wird", sagt Kunze.

Sowohl der Bima als auch der Stadt hatten die langen Verhandlungen Kompromisse abgerungen. Mit dem Erwerb macht Darmstadt nun aber einen großen Schritt bei der Umsetzung seines Wohnraumsicherungskonzepts. "Wir müssen 500 Wohnungen im Jahr bauen", sagt Partsch. Damit auf dem Lincoln-Gelände ein lebendiges Viertel entsteht, sieht die Stadt 30% der Fläche für besondere Wohnformen wie Senioren- oder Studentenwohnungen vor.

Den Kaufvertrag haben die Parteien unterzeichnet, auch der städtebauliche Vertrag steht bereits in seinen Eckpunkten, es fehlt nur noch die Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestags. Das hält die kommunale Gesellschaft aber nicht davon ab, schon in diesem Jahr mit dem Umbau der ersten Häuser für Studenten zu beginnen. Die Bauverein-Tochter bvd New Living wird das Areal entwickeln. Sie baut zunächst drei Häuser um, in denen insgesamt 54 Studentenwohnungen entstehen. Damit sie nicht auf den Haushaltsausschuss des Bundestags warten muss, der seinen Beschluss voraussichtlich erst im September fasst, wird sie die rund 2 Mio. Euro zunächst auf Basis eines Pachtvertrags investieren.

Die betreffenden Gebäude isoliert sie durch Absperrmaßnahmen zunächst vom restlichen Baugebiet. Sie erhalten eine eigene Anbindung über die Noackstraße. Die bisherigen Wasser- und Abwasserleitungen werden gekappt und ebenfalls aus dieser Richtung neu gelegt. bvd wird die Grundrisse der Wohnungen so ändern, dass sie sich für Dreier- und Fünfer-Wohngemeinschaften eignen. Küchen und Einbauschränke in gutem Zustand haben die früheren Eigentümer zurückgelassen. Im November sollen die Gebäude fertig sein. "Es ist nicht unwahrscheinlich, dass in diesem Jahr noch die Studenten einziehen", sagt Braun. Das Gebäude soll zunächst für zehn Jahre dem Studentenwohnen dienen. Dann sind die Investitionskosten für den Umbau abgeschrieben. "Eigentlich ist es eine Zwischennutzung", verrät Braun.

Zehn weitere Immobilien mit insgesamt 180 Wohnungen saniert der Bauverein ebenfalls. Drei Gebäude mit 54 Wohnungen will er mit Sozialwohnungen belegen. Teils werden die Häuser dazu aufgestockt. Ähnlich war die Stadt schon mit der Postsiedlung verfahren. Allerdings sind nicht alle der aus den 1950er Jahren stammenden und in den 1970ern modernisierten Gebäude so gut erhalten. Deshalb will der Bauverein insbesondere an den Rändern der Bebauung und im Umfeld der geplanten Grundschule insgesamt elf Häuser abreißen, um sie durch Neubauten zu ersetzen.

Insgesamt entsteht im Quartier Wohnraum für 3.000 Menschen. Für etwa 170.000 m² Wohnfläche werden rund 350 Mio. Euro auf dem Gelände investiert, schätzt Bauverein-Vorstandsvorsitzender Hans-Jürgen Braun. Dazu kommen knapp 20 Mio. Euro für öffentliche Einrichtungen wie Kindertagesstätten. Der Bauverein will weitere Investoren ins Boot holen: "60% der Fläche werden an Dritte vermarktet", verspricht Braun. Aufgrund vorangegangener Gespräche mit Interessenten rechnet er mit etwa zehn Akteuren. Für die einzelnen Baufelder sind Wettbewerbe geplant.

Das kommende Jahr wird sich neben der Bauleitplanung vor allem um das Thema Erschließung drehen. Straßen werden neu aufgebaut und Versorgungsleitungen gelegt. Bei der Wärmeversorgung hilft ein bestehendes Gas-Heizkraftwerk auf dem Areal, das der Bauverein umrüsten will. Einzelhandelsflächen sind im Quartier keine notwendig, weil es an den Bessunger Marktplatz angrenzt.

Der künftige Name für das Gelände steht noch nicht fest. Trotz seiner Bekanntheit will sich die Stadt vom alten Namen trennen. Gegebenenfalls wird sie von der Bevölkerung Vorschläge einholen. Die Lincoln-Siedlung ist nicht das einzige Konversionsgebiet der Darmstädter: Während die Kelley-Barracks Zug um Zug entwickelt werden, führt die Stadt auch Gespräche mit der Bima über den Ankauf der rund 25 ha großen Cambrai-Fritsch-Kaserne, in der ebenfalls ein Wohngebiet entstehen soll. Laut Partsch wird der Bauverein dabei "gegebenenfalls auch eine Rolle spielen". "Wir müssen aber sehen, dass wir ihn nicht überdehnen." Dazu Brauns Kommentar: "Grundsätzlich ginge es."

Der Bestand der Darmstädter Lincoln- Siedlung wurde in den 1950er Jahren erbaut und etwa 20 Jahre später saniert. (Bild: law)